Im Rotwein-Ländle

Ein Ausflug in Deutschlands größte Rotweinlandschaft

Der Mensch vergisst die Sorgen aus dem Geiste, der Frühling aber blüht, und prächtig ist das meiste,

So beginnt Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) eines seiner Frühlingsgedichte. Ob der Dichter dabei seine Heimat, das Zabergäu, im Blick hatte, ist nicht überliefert.

Wir wollen das erste schöne Wochenende in diesem Jahr als Auftakt zur diesjährigen Reisemobilsaison nutzen und die „Schwäbische Toskana“ besuchen.

Zwischen Heilbronn und Stutgart, westlich des Neckars liegt das Zabergäu, flankiert von den Höhenzügen des Heuchel- und des Strombergs. Das milde Kleinklima ermöglichte bereits im frühen Mittelalter einen intensiven Weinbau. Bekannt ist die Region insbesondere für seinen vollmundigen Lemberger und den frischen Trollinger. Eine weitere Besonderheit ist eine spezielle Form der Gastronomie, die sogenannten Besenwirtschaften. Die „Besen“ oder „Bäsa“, wie sie hier genannt werden, sind Wirtschaften auf Zeit. Sie werden zumeist von Winzern betrieben und dürfen nur maximal vier Monate im Jahr geöffnet sein. Kennzeichnend ist der Reisigbesen über der Haustür.

Wir nähern uns der Region von Norden her und tauchen ein, in die von Reben dominierte Senke des Zabertals. Wer mit seinem Reisemobil einigermaßen autark ist, kann sich auf einem der zahlreichen Stellplätze einrichten, die von den ansässigen Winzern angeboten werden. Einige verfügen sogar über Strom- und Wasserversorgung. Wir entscheiden uns für einen Bio-Obsthof, der uns außer der Stellfläche allerdings nichts weiter bietet. Dafür dürfen wir zwischen den blühenden Obstbäumen einen traumhaften Blick auf die umliegenden Weinberge genießen.

Von hier aus lässt sich das Zabergäu zu Fuß oder mit dem Fahrrad in alle Richtungen erkunden. Wir entscheiden uns zu einer Wanderung, quer durch die Weinberge, vorbei an der mittelalterlichen Burg Neipperg bis zum Hörnle. Der markante Bergrücken sieht von weitem aus, wie eine Miniaturausgabe des Tafelbergs von Kapstadt. Für die Mühen des Aufstiegs kann sich der Wanderer im Biergarten der Waldschenke mit einer deftigen Brotzeit und einem phantastischen Weitblick belohnen. Satt und zufrieden sind wir später froh darüber, dass es im Anschluss nur noch bergab geht.

Weiter in Richtung Westen engen die Bergrücken des Strom- und des Heuchelbergs das Zabertal zunehmend ein. Bei Zaberfeld versprechen einige Badeseen bei heißem Wetter ein wenig Abkühlung. Jetzt im Frühjahr genießen wir allerdings die wärmenden Sonnenstrahlen. Als wir kurz vor Bretten das Zabergäu verlassen bleibt das Gefühl, dass wir vieles von dem, was diese zauberhafte Region zu bieten hat, nicht gesehen haben. Burgen und Schlösser, Spuren römischer Besiedlungen und die Begegnung mit dem Erbe von Theodor Heuss und Friedrich Hölderlin. Wir müssen einfach noch einmal wiederkommen – es ist ja nicht weit.

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