Mehr Autarkie wagen

Einbau einer Trockentrenntoilette

Der Traum von der grenzenlosen Freiheit des VanLife wird immer dann abrupt eingebremst, wenn der Fäkalientank unbarmherzig nach seiner Entleerung verlangt. Zwei maximal drei Tage „freies Leben“ passen in das weniger als zwanzig Liter fassende Reservoir. Anschließend bestimmt die Sucherei nach einer Entsorgungsstation den weiteren Reiseverlauf. Eine Trockentrenntoilette soll uns nun künftig, nicht nur die ersehnte Unabhängigkeit sichern, sondern – durch den Verzicht auf Chemie – auch das ökologische Bewusstsein stärken.

Wir scannen den Markt, studieren zahllose Erfahrungsbericht und entscheiden uns schließlich für einen der beiden amerikanischen Marktführer. Jeder und jede halbwegs handwerklich Geschickte soll den Austausch der vorhandenen Bordtoilette gegen das wasser- und chemiefreie Pendant bewerkstelligen können. Voller Zuversicht – schließlich habe ich schon ganz andere Projekte gestemmt – mache ich mich ans Werk.

Gleich zu Beginn der Arbeiten stelle ich fest, dass Erfahrungsberichte aus dem Internet nur bedingt auf das eigene Vorhaben übertragbar sind. Schon der Ausbau unterscheidet sich, trotz baugleicher Toilettenmodelle. Insgesamt ist es sogar einfacher, als ich zunächst angenommen hatte. Vier Schrauben und der Schlauch der Wasserversorgung sind schnell gelöst (Achtung: Nicht versäumen, den wasserführenden Schlauch sorgfältig zu verschließen).

Nach Trennung der Spannungsversorgung (die blanken Kabel sollten zum Schutz vor einem Kurzschluss, für die weiteren Arbeiten isoliert werden) kann die alte Toilette entfernt werden. Und wieder habe ich Glück: vor mir liegt eine ebene Fläche. Ich muss also keine tragende Konstruktion errichten. Spanplatten aus dem Baumarkt bilden von jetzt an den neuen Boden und die Blende für das Loch, das der fehlende Spülkasten in der Bordwand hinterlassen hat.

Die Befestigungswinkel für die Toilette und den Urinbehälter dürfen nicht zu fest am WC-Körper sitzen. Neoprenstreifen auf dem Boden verbessern die Stabilität. Zusätzliche Dämpfer an der Rückwand sorgen für einen geräuschlosen Anschlag des WC-Deckels.

Jetzt geht es draußen weiter. Zunächst demontiere ich die Versorgungsklappe des WC-Schachtes. Mit der Lochsäge wird, zunächst von außen nach innen und dann in umgekehrter Richtung, die Abluftöffnung für den Ventilator ausgesägt. Diese Vorgehensweise verhindert ein Ausfransen der Sägeränder. Von außen schraube ich nun ein Aktivkohle-Filtergehäuse auf die Klappe und von innen wird ein Lüfter (gehört zum Lieferumfang der Toilette) montiert. Er sorgt später für einen konstanten Luftstrom nach draußen. Die offenen „Sägewunden“ sowie die Kontaktflächen des Filtergehäuses sollten zum Schutz vor eindringender Feuchtigkeit mit einer geeigneten Dichtmasse abgedichtet werden. Der Lüfter hat eine eigene Dichtung. Die Spannungsversorgung erfolgt über die 12V-Kabel der alten Toilette.

Es ist nicht viel Platz zwischen dem Lüfter an der Außenklappe und der neuen Holzblende. Das Loch für die Führung des Abluftschlauches sollte auf gleicher Höhe und Breite des Ventilators gesägt (Lochsäge) werden, damit eine kurze und gerade Verbindung möglich wird. Ein großzügiges Verlegen des Schlauches in Kurven ist nicht möglich (Gefahr des Abknicken). Auf der anderen Seite der Blende stellt ein weiteres Stück Flexrohr die Verbindung zur Toilette her. (Bitte die Montageanleitung des Herstellers beachten. Ich empfehle – bei entsprechender Sprachkenntnis – das englische Original). Ein zusätzlicher Schalter zur Unterbrechung der Spannungsversorgung ist nicht zwingend erforderlich, ermöglicht aber das Ausschalten des Lüfters, sollte die Toilette mal längere Zeit nicht in Gebrauch sein.

Das Projekt biegt nun auf die Zielgerade. Ganz vorsichtig länge ich das innere Flexrohr zentimeterweise ab, um die richtige „knickfreie“ Verbindung zur Toilette herzustellen. Ein Winkel erleichtert diese „Verbindungsaufnahme. Abschließend werden noch alle Fugen mit Dichtmasse versiegelt und die Toilette montiert. Leider stellt sich nun heraus, dass die Kurbel des „Feststoffbehälters“ durch den Abluftschlauch blockiert wird. Bei der ersten Stellprobe war die Rohrdurchführung noch an anderer Stelle vorgesehen. Ein Erwachsener mit Erziehungs- und Vorbildfunktion sollte sich besser im Griff haben, als ich in diesem Augenblick.

Abhilfe schafft zunächst ein Adapterstück für eine Ratsche mit 17er Nuss – nicht edel, aber zweckmäßig. Mittelfristig strebe ich eine andere Lösung an. Vielleicht mit einer kürzeren Drehkurbel, einer „Spider-Kurbel“ oder einem 12V-Drehspieß-Motor. Ich werde berichten.

2 Gedanken zu „Mehr Autarkie wagen“

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