Der Gefährte

„Wie heißt denn eigentlich euer Reisemobil?“ Die Frage unserer Stellplatznachbarn trifft uns vollkommen unvorbereitet. Unser Kastenwagen hat keinen Namen, nur eine Typenbezeichnung: Ducato oder Dexter. Wir haben bislang nicht die Notwendigkeit erkannt, einen individuellen Namen zu vergeben. Audrey Hepburn ruft in dem Filmklassiker „Frühstück bei Tiffany“ ihr Haustier doch auch nur „Kater“. Ein untauglicher Versuch der Rechtfertigung. Die Reaktion ist ebenso eindeutig wie anklagend:  „Jedes Wohnmobil braucht einen Namen!“ Jetzt fühlen wir uns schuldig.

 

Seit zwei Jahren ist er nun unser Begleiter, der Karmann Dexter. Auf seinen knapp sechs Metern Länge bietet er uns ausreichend Platz zum Leben und ist dennoch kompakt genug für Supermarktparkplätze und enge Gebirgspassagen. Wir wollten kein Expeditions-Mobil für den Gegenwert einer kleinen Wohnung sondern annehmbare Qualität zu einem vertretbaren Preis. Unser wesentlicher Anspruch war immer eine größtmögliche Unabhängigkeit von Camping-Infrastruktur. Das ermöglicht uns die Solaranlage auf dem Dach in Verbindung mit zwei Aufbau-Batterien. Für Wärme sorgt eine effiziente Dieselheizung und für kalte Getränke ein 80-Liter-Kompressor-Kühlschrank. Auf eine SAT-Anlage haben wir gerne verzichtet – es ist so entspannend mal nichts vom Irsinn auf der Welt mitzubekommen. Weitere „Gimmicks“ wie ein leistungsstärkerer Motor, Markise, Rückfahrkamera, Anhängerkupplung sowie eine hochwertige Matratze trieben den Preis stetig in die Höhe. Das selbst gesetzte Limit von 50.000 Euro konnte aber – wenn auch knapp – gehalten werden.

Nach mittlerweile 20.000 zurückgelegten Kilometern können wir ein überwiegend postitives Fazit ziehen. Schwerwiegende technische Probleme gab es bislang nicht, allenfalls Bedienungsfehler. Ein Marder hat uns in testosterongetriebener Raserei den Motor und die Scheibenwaschanlage sabotiert. Die „Hütte“ knarzt ein wenig beim Fahren und die Pumpe der Dieselheizung fördert unüberhörbar. Das Fahrzeug ist ausreichend agil und lässt sich gut manövrieren. Der Verbrauch bleibt mit acht bis zehn Litern auf einhundert Kilometer äußerst moderat.

Auf unseren Touren steht das Reisen und nicht die Technik oder Optik im Vordergrund. Das Wohnmobil ist ein Nutzfahrzeug, das uns eine unabhängige, flexible Art des Reisens ermöglichen soll. Unser namenloser Gefährte macht seinen Job ebenso unspektakulär wie zuverlässig. Er gehört zum Team.